2 Jahre Elternzeit – Habe ich damit viel Zeit?

Jeden Abend stehe ich in der Küche. Räume weg, wasche ab, mache Ordnung. Es ist meine Zeit, die ich mir seit einigen Wochen bewusst nehme. Meist tanze ich dabei wie wild durch die Küche und bin froh darüber, dass mich niemand beobachtet. Manchmal höre ich aber auch Podcasts – so wie heute Abend den von Isabell Prophet.

„Liebe Deine 30er“ sagt sie. Bin ich mit meinen 27 Jahren überhaupt die Zielgruppe? Na klar, denn ich bin in der „Rush Hour meines Lebens“, wie es im Untertitel des Podcasts weiter heißt. Die Themen, die Isabell anspricht, sind meine Themen. Und in der Episode, die ich heute in meiner Küchenzeit hörte, redet sie über Elternzeit.

Offiziell bin ich nach wie vor in Elternzeit.

Als mein Kind im Mai 2019 diese Welt betrat, wollte ich auf Nummer sicher gehen. Ich meldete daher meine Elternzeit für die ersten beiden Lebensjahre an – und ja, ich meldete an, denn Elternzeit wird nicht beantragt! Warum auch nicht? Einen solchen Kündigungsschutz erhält man vermutlich auf keinem anderen Weg. Und dass mein Arbeitgeber von Teilzeitarbeit nicht allzu viel hielt, war mir da schon bewusst.

Es kam dann alles ein wenig anders, als ich die Prioritätenfrage klärte. Teilzeit ist beim jetzigen Arbeitgeber der Normalfall und die Selbständigkeit kam zwischendurch auch noch dazu. Doch in Elternzeit bin ich immer noch. Bisher dachte ich immer, dass ich das nur auf dem Papier bin. Aber durch die gesteigerte Betreuungszeit wegen der Corona-Pandemie ist es die Wirklichkeit.

Und deshalb stehe ich auch heute mit einem fast zweijährigen Kind an dem Punkt, den Isabell anspricht:

Habe ich wenig Zeit oder nutze ich sie nur falsch?

In den letzten Monaten habe ich ne ganze Menge geschafft: Podcast, Blog, Newsletter und Präsenz auf Social Media kommen ja nicht aus dem Nichts. Ich muss also Zeit haben. Oder?

Irgendwie fiel aber auch eine ganze Menge hinten runter. Am deutlichsten zeigt sich das mit Sicherheit an der Sauberkeit der Wohnung. Wer immer sagt „ach, das mach ich morgen“, wird irgendwann von einer Schar Wollmäuse geweckt.

Doch auch die Zeit für mich selbst fiel hinten runter. Entweder gab es Zeit mit dem Kind oder Zeit mit der Selbständigkeit. Ewiges Scrollen auf Twitter und LinkedIn zähle ich natürlich auch als Arbeitszeit (Stichwort Personal Branding 😉). Und seitdem ich nicht mehr täglich zwei Stunden mit dem Kinderwagen drehe, damit das Kind seinen Mittagsschlaf machen kann, fehlt mir auch die Zeit zum Podcast-Hören.

Aber fehlt die Zeit wirklich? Isabell sagt:

Wir haben Zeit. Wir müssen sie nur wahrnehmen und gestalten. Und dafür ist etwas sehr Unpopuläres ganz entscheidend: Wir müssen lernen, unsere eigene Zeit zu priorisieren.

Isabell Prophet

Und sie hat Recht! Wenn ich dem Kind abends Gute Nacht sage, bleiben vier bis fünf Stunden, bis ich selbst ins Bett gehe. Vier bis fünf Stunden! Das sind mindestens 240 Minuten Freizeit. Wenn alles gut läuft am Stück. Wenn es weniger gut läuft, dann zwischendurch für 30 bis 60 Minuten unterbrochen. So viel Zeit. Jeden Abend! Also meistens…

Den Nagel traf Isabell mit folgendem Satz auf den Kopf. Und zwar volle Kanne:

Ich hatte genügend Zeit, ich machte nur nichts aus ihr; schlug sie tot und dann wunderte ich mich, wenn sie nicht mehr da war.

Isabell Prophet

Ich will mehr aus meiner Zeit machen!

Mit der Etablierung meiner täglichen Küchen-Tanz-Zeit habe ich offenbar unbewusst genau das Richtige gemacht. Ich habe nicht das Gefühl, dass mir dadurch Zeit verloren geht. Im Gegenteil: ich gewinne Zeit für mich. Und die Küche wird nebenbei auch sauber. Und wenn diese Routine mal ausfällt, fehlt sie! Vor einem Monat hätte ich nicht gedacht, dass ich das mal sage. Oder schreibe.

Die Pandemie wird noch eine ganze Weile bleiben. Ob ich offiziell in Elternzeit bin oder nicht, ist egal – meine eigene Zeit gut und sinnvoll zu nutzen bleibt eine wichtige Aufgabe. Und da gibt es noch viel zu tun.

Vielleicht brauche ich auch eine morgens-Staubsaugen-Routine?
Die Wollmaus neben mir meint: Ja!

Wie machst Du das denn? Was ist Dein Weg, um alles unter einen Hut zu bekommen? Sag es mir hier unten in den Kommentaren. Und falls Du einen Pflegetipp für Wollmäuse hast, nehme ich den auch sehr gern 😉

2 Gedanken zu „2 Jahre Elternzeit – Habe ich damit viel Zeit?“

  1. Lieber Martin,
    Buchempfehlung dazu: Ivan Blatter – Arbeite Klüger – nicht härter! humboldt Verlag. Es liegt in der Priorisierung der Zeit. Was ist wichtig, was ist dringend? Das kann jeder nur für sich selbst entscheiden. Aber diese Entscheidung bewußt zu treffen macht den Unterschied. Auch wenn der Staubsauger nicht gewinnt – die Entscheidung dagegen hilft sich damit gut zu fühlen. Routinen im Alltag sind essentiell, nur welche Routinen brauchst Du? Zeit sich darüber Gedanken zu machen.
    Liebe Grüße
    Marianne

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    • Vielen Dank für die Empfehlungen, liebe Marianne.
      Die bewussten Entscheidungen sind wirklich ein Gamechanger. Alles, was wir tun, ist Ergebnis von Entscheidungen – sich das bewusst zu machen ist goldwert!

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