16. Dezember: Mein Feind der Treppenlift

Wenn es eine Sache gibt, die für viele Menschen sinnbildlich für den barrierefreien und altersgerechten Wohnungsumbau steht, dann ist es der Treppenlift. Dabei ist der gar nicht barrierefrei!
Wieso und weshalb erfährst Du hinter dem 16. Türchen des Adventskalenders rund um Barrierefreiheit.


Hattest Du schon mal eine kostenlose Fernsehzeitung in der Hand? Dann kennst Du bestimmt die unzähligen Anzeigen von Treppenlift-Herstellern. Auch aus vielen anderen Zeitschriften oder aus dem Fernsehen kennst Du sicher die wunderbaren Bilder von glücklichen Menschen auf Treppenliften.

Die vermittelte Botschaft lautet: Barrierefrei und komfortabel im Alter leben, das geht nur mit einem Treppenlift!

Meine Botschaft: die Dinger sind überteuert, sperrig, hässlich und so gar nicht barrierefrei!

Ich gebe zu, eine professionell distanzierte Betrachtung dieses „Hilfsmittels“ wirst Du hier nicht zu lesen bekommen. Dafür stehe ich mit diesen Dingern zu sehr auf dem Kriegsfuß.

Und dennoch sage ich vorab: ja, auch sie haben ihre Daseins-Berechtigung. Es gibt Menschen, die sich bewusst und wohl überlegt für ein solches Modell entscheiden, ohne sich von der Werbungs-Übermacht der Hersteller beeinflussen zu lassen. Mögen sie damit glücklich sein und bleiben ❤

Grundsätzlich sind zwei Arten zu unterscheiden

Der Treppensitzlift ist die bekanntere von beiden Arten. Dort gibt es einen speziellen Sitz, der laut Werbung ein fast schon royales hinauf- und hinabgleiten über die Treppenstufen ermöglichen soll. Dieser ist fest an der Treppe montiert. Rollstuhlnutzende müssen sich also aus dem Rollstuhl heraus auf den Treppensitz umsetzen.

Die Alternative stellt ein Treppenplattformlift dar. Die Funktionsweise ist ähnlich, nur dass hier statt einer Sitzgelegenheit eine Plattform die Treppe entlang nach oben fährt. Rollstuhl- oder Rollatornutzende können diese also einfach befahren und ab geht die mäßig wilde Fahrt.

Und was ist jetzt das Problem?

Die ästhetische Qualität liegt natürlich im Auge des Betrachters. Wirklich hübsche Modelle sind aber eher Mangelware. Darüber sind insbesondere Treppensitzlifte nur eine vorübergehende Lösung. Das Hinsetzen und Wiederaufstehen muss problemlos möglich sein. Wer im zunehmenden Alter Probleme beim Treppensteigen hat, wird früher oder später auch Probleme beim Transfer von Rollstuhl oder Rollator auf den Treppensitz haben.

Für einen Preis von durchschnittlich 5 bis 10.000 Euro handelt es sich zudem um eine eher teure Übergangslösung.

Schlussendlich schafft so ein Treppenlift auch eine Menge neuer Barrieren. Die meisten Treppen sind so gebaut, dass die Breite ein angenehmes Treppensteigen ermöglicht. Mit einem Treppenlift wird die Breite allerdings verringert. Gegebenenfalls wird sogar der Handlauf auf einer Seite blockiert.

Bei der Verwendung von Treppensitzliften bleiben Rollator oder Rollstuhl in der Etage zurück. Für andere Personen steht also zu jeder Zeit in mindestens einer Etage ein anderes Hilfsmittel im Bereich der Treppe im Weg. Und auch der Treppenlift selbst benötigt in der Parkposition eine Menge Platz.

Kurzum: wenn es sich vermeiden lässt, sollte auf einen Treppenlift lieber verzichtet werden. Mit einer vorausschauenden Planung lassen sich oft andere Lösungen finden oder zumindest die Nachteile eines Treppenlifts so gut wie möglich reduzieren.